3.20 – Die Vergessenen
The Forgotten

· Guide Enterprise
Autor

epg-ent3x20_ForgottenArcher erregt die Aufmerksamkeit von zwei hochrangigen Xindi – dem Waffendesigner Degra und einem weiteren Ratsmitglied. Die Beiden verlangen absolute Beweise seiner Behauptungen, dass sie manipuliert werden um Krieg gegen die Menschen zu führen. Wenn sie ausreichend überzeugt werden können, versprechen sie, die Planetenzerstörende Waffe vor dem Start zu stoppen. Unterdessen, inmitten der andauernden Reparaturen und nach dem Tod eines Fünftels der Besatzung durch die vorangegangenen Ereignisse, welche die Überlebenden schwer belasten, schreibt Trip, dem das Ganze sehr zusetzt, einen Brief an die Eltern eines der Verstorbenen.

Fakten

  • Erstausstrahlung USA: 28.04.2004 (UPN)
  • Erstausstrahlung BRD: 13.02.2005 (SAT.1)
  • Produktionsnummer: 072
  • Story:
  • Drehbuch: Chris Black & David A. Goodman
  • Musik:
  • Regie: LeVar Burton  
  • Missionsdatum: Unbekannt

Hauptdarsteller

[scg_html_crew_ent]

Gastdarsteller

Wissenswertes

  • Die Hauptdreharbeiten begannen am Freitag, dem 23.01.2004 und endeten offiziell am Montag, dem 02.02.2004. (07.02.2004)
  • Gastdarsteller MacFarlane hat eine ernüchternde Geschichte, in der eine außergewöhnliche Verwechslung des Schicksals es ihm ermöglicht, heute noch immer am Leben zu sein: Am 11. September 2001, war er für den American Airlines Flug 11 aus Boston gebucht. Durch einen Fehler im Reisebüro kam er zu spät am Flughafen an und verpasste seinen Flug. Keine Stunde später krachte das Flugzeug in das World Trade Center. (07.02.2004)
  • Zum ersten Mal bekommt man in dieser Episode die "Leichenhalle" der Enterprise zu sehen. (07.02.2004)
  • Produktionsbericht. (07.02.2004)

Weitere Auftritte der Gastdarsteller

[scg_html_randy-oglesby][scg_html_rick-worthy][scg_html_bob-morrisey][scg_html_seth-macfarlane]

Zusammenfassung

Im Hangar der Enterprise hält Archer eine Trauerfeier für die 18 Besatzungsmitglieder, die beim Angriff ums Leben kamen. Dabei verweist er auf das große Risiko, welches ihre Mission birgt. Die NX-01 und ihre Crew haben schon sehr viel einstecken müssen. Doch gerade deshalb ist er überzeugt, dass sie ihre Mission erfüllen werden.

Die Enterprise ist noch zehn Stunden von ihrem Treffpunkt mit Degra entfernt. Im Bereitschaftsraum geben Trip und T'Pol einen Schadensbericht ab. Die Reparaturen an Waffen und Schilden sind schon fortgeschritten, doch insgesamt ist der Zustand des Schiffes immernoch kritisch. Trip bleibt skeptisch und befürchtet, Degra wolle sie in eine Falle locken. Archer will trotzdem pünktlich am Treffpunkt sein. Bevor Trip geht, spricht der Captain ihn auf Crewman Taylor, eines der Opfer, an. Da sie zu Tuckers Team gehörte, möchte er, dass der Ingenieur einen kurzen Brief an ihre Eltern schreibt. Trip ist nicht begeistert, doch Archer setzt sich durch. Etwas später kommt T'Pol auf die Krankenstation für einen Check. Phlox stellt fest, dass sich keine nennenswerten Trellium-Spuren mehr in ihrem Blut befinden. Auch die Entzugserscheinungen dürften vorüber sein. Trotzdem bleibt T'Pol unruhig. Sie hat enorme Schwierigkeiten, ihre Emotionen zu unterdrücken. Phlox erklärt, dass ihre Nervenbahnen stark beschädigt wurden. Sie muss sich vielleicht daran gewöhnen, mit ihren Gefühlen zu leben.

Schließlich erreicht die Enterprise den Treffpunkt. Allerdings ist kein anderes Schiff zu sehen. Plötzlich wird die NX-01 von Anomalien durchgeschüttelt. Als Archer schon weiterfliegen will, erscheint Degras Schiff aus einem Tarnfeld. Er weist die Menschen an, ihm zu folgen und fliegt zurück durch die Tarnbarriere. Auf der anderen Seite befindet sich eine der Sphären. In deren Orbit docken die beiden Schiffe. Degra meldet sich und lädt Archer auf sein Schiff ein. Etwas später klären der Konstrukteur und der Faultier-Vertreter Archer über die jüngsten Ereignisse auf. Degra hat dafür gesorgt, dass Archer zurück auf die Enterprise kam. Die Reptilien hätten ihn ansonsten vermutlich getötet. Außerdem sind die beiden auch für den Abbruch des Angriffs auf die Enterprise verantwortlich. Die Zukunft ihrer Spezies war ihnen das Risiko wert. Doch nun möchten sie Beweise sehen. Archer erklärt, diese befänden sich auf der Enterprise. Zuvor möchte er aber wissen, wann der Planetenkiller gestartet wird. Der Faultier-Vertreter meint, dies Läge im Ermessen des Rates. Es ist aber nur noch eine Frage von Tagen. Degra will die Beweise sehen. Dann werde er tun, was er kann, um die Waffe zu stoppen.

In der schwer beschädigten Messe setzt T'Pol sich zu Trip. Der Ingenieur ist gerade mit dem Brief an Familie Taylor beschäftigt, was ihm sichtlich schwer fällt. T'Pol bemerkt, dass Trip übermüdet ist. Er gibt auch offen zu, seit zwei Tagen nicht mehr geschlafen zu haben. Er habe keine Zeit dafür. Plötzlich geht ein Ruck durch das Schiff. Die beiden rennen sofort los. In einem Korridor hat es einen Unfall gegeben. Trip kümmert sich sofort darum. Ein Ingenieur ist verletzt. Unbemerkt bildet sich unter der Außenhülle des Schiffes ein kleines Leck in einer Plasmaleitung.

In der Leichenhalle zeigt Archer Degra und dem Faultier-Vertreter die Leichen der gefundenen Reptilien. Degra erkennt diese als die Wissenschaftler, welche die Biowaffe entwickeln sollten. Sie verschwanden, nachdem der Rat die Waffe abgelehnt hatte. Der Faultiervertreter bleibt skeptisch. Die Leichen seien kein Beweis für eine Zeitreise. Daraufhin führt Archer die beiden in einen Frachtraum, wo die Ausrüstung der Reptilien gelagert ist. Degra erkennt diese als Xindi-Technologie, will es aber durch seine Männer überprüfen lassen. Archer hat nichts dagegen. Der Faultier-Vertreter gesteht, dass dies den nicht sehr überraschenden Alleingang der Reptilien beweise. Nun muss Archer aber noch seine Anschuldigungen gegen die transdimensionalen Wesen, von denen die Xindi ihre Informationen haben, untermauern. Unterdessen erhält Trip bei der Arbeit Besuch von Phlox. T'Pol hat dem Doktor von Trips Schlafmangel berichtet. Der Ingenieur ist aber immernoch nicht einsichtig, weshalb Phlox ihn vorübergehend von seinen Pflichten entbindet und ihm etwas Schlaf verordnet. Zur gleichen Zeit wird das Plasmaleitungsleck unter der Schiffshülle größer.

Auf der Krankenstation zeigt Archer seinen Gästen Bilder vom Sphärenbauer, den die Menschen vor einiger Zeit getroffen haben. Phlox erklärt, dass der Außerirdische in unserem Universum nicht überleben konnte. Archer fügt hinzu, dass dessen Rasse daher den Normalraum für sich selbst bewohnbar machen will. Degra folgert, dass die Ausdehnung dann für die Xindi nicht mehr bewohnbar sein wird. Archer erklärt, Menschen und Xind würden die Sphärenbauer einst zurückschlagen. Wenn die Erde aber zerstört wird, wären auch die Xindi verloren.

Trip erwacht und geht zum zerstörten Quartier von Crewman Taylor. Er sieht sich etwas um und plötzlich steht die Tote hinter ihm. Tucker wird klar, dass er nur träumt. Taylor erkundigt sich nach dem Stand des Briefs an ihre Eltern. Trip ist aber noch nichts eingefallen. Die junge Frau möchte wissen, wo das Problem liege. Schlagartig wird ihr klar, dass Trip nichts einfällt. Sie beginnt von ihrer gemeinsamen Zeit auf der Enterprise zu erzählen und bittet Trip, sich zu erinnern. Dieser will sich aber nicht erinnern und versucht wegzurennen. Trip erwacht in seinem Quartier. Auf Degras Schiff diskutiert der Waffenkonstrukteur mit dem Faultier-Vertreter über Archers Beweise. Inzwischen wurde bestätigt, dass die gezeigte Ausrüstung von den Reptilien stammt, die Scans weisen sogar auf eine Zeitreise hin. Der Faultier-Vertreter will Archer aber immernoch nicht glauben. Die Menschen könnten die Werte fabriziert haben. Er befürchtet vor allem, dass die Beweislage viel zu dünn ist, um den Rat gegen die Sphärenbauerin aufzubringen, welche den Xindi schon mehrfach geholfen hat und an der Bildung des Rats beteiligt war. Als Degra gehen will, rät ihm der Faultier-Xindi, sein Urteilsvermögen nicht durch seine Zweifel am Sinn des Planetenkillers trüben zu lassen.

Kurz darauf trifft Degra im Kommandozentrum der NX-01 ein, wo Trip und T'Pol mit Reparaturen beschäftigt sind. Tucker meint voller Sarkasmus, der Planetenkiller sei eine beeindruckende Konstruktion und er würde gerne einen Blick auf die Telemtrie des ersten Angriffs werfen. Er macht Degra hasserfüllt Vorwürfe und erzählt, dass seine Schwester bei dem Angriff starb. Archer kommt hinzu und lädt Degra in seinen Bereitschaftsraum ein, bis die Reparaturen beendet sind. Trip weist er an, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Unterdessen kommt es am Plasmaleck zu einem Kurzschluss, wodurch sich das Plasma entzündet. Eine riesige Flammenfontäne ragt ins All. Um zu verhindern, dass das Plasmafeuer den Reaktor erreicht, muss die Hauptzufuhr unterbrochen werden. Dies ist derzeit aber nur manuell möglich. Die Ventile befinden sich auf der Außenhülle, nahe des Feuers. Also schlüpfen Tucker und Reed in ihre Raumanzüge und gehen nach draußen.

Jeder muss ein Ventil bedienen. Malcolm muss aber zuerst die Abdeckplatte aufschweißen, da das Metall durch das Plasmafeuer zusammengeschmolzen ist. Kurz darauf stellt Hoshi auf der Brücke fest, dass es in Reeds Anzug zu heiß wird. Archer schickt ihn zurück zur Luftschleuse, doch Malcolm erledigt zuerst seine Arbeit. Nachdem Trip das Ausweichventil geöffnet hat, schließt er sein Ventil. Der Plasmastrom versiegt. Als Trip zu Malcolm geht, stellt er fest, dass der Sicherheitschef bewusstlos ist. Trip kann ihn zur Luftschleuse bringen, wo Phlox bereits wartet. Auch Archer und Degra sind anwesend. Als der Xindi sein Bedauern über Reeds Zustand äußert, fährt Trip ihn an. Ein toter Mensch mehr oder weniger würde doch keinen Unterschied machen. Archer zügelt seinen Freund. Dann gehen er und Degra weiter.

Im Kommandozentrum tauschen Archer und Degra Daten über die Sphären aus. Der Captain nutzt die Gelegenheit und entschuldigt sich für Tuckers Verhalten. Degra räumt ein, dass Trip gute Gründe dafür habe. Inzwischen weiß Degra aber, dass der Angriff auf die Erde falsch war. Archer erwähnt, dass sie sich darüber bereits unterhalten haben. Degra weiß inzwischen von seiner Entführung und erwidert, die Menschen hätten ein ausgesprochenes Talent für Täuschungen. Archer räumt ein, dass dies wohl nicht der beste Weg gewesen wäre, das Vertrauen des Xindi zu erlangen. Das Thema wechselt wieder zu den Sphären. Degra erklärt, sein Volk hätte kaum Informationen über deren Innenleben. Archer zeigt ihm die Scans der beschädigten Sphäre. Degra ist beeindruckt. Unterdessen versucht Trip sich wieder im Briefschreiben. Allerdings ist er nicht sehr zufrieden. Plötzlich ertönt der Taktische Alarm: ein Reptilienschiff nähert sich. Degra kann sich nicht erklären, wie sie entdeckt werden konnten.

Der Captain der Reptilien fordert die Crew von Degras Schiff auf, sofort von der Enterprise abzudocken. Daraufhin meldet sich der Faultiervertreter bei den Menschen. Die Reptilien wollen die Enterprise angreifen. Degra soll von Bord gehen und mit seinem Schiff fliehen. Sonst läuft er Gefahr selbst unter Feuer zu geraten. Reed stellt klar, dass die NX-01 in einem Kampf keine Chance hat. Als Archer sich nach Degras Waffenstärke erkundigt, ist dieser entrüstet. Er kennt zwar die Schwächen des feindlichen Schiffes, kann sich aber nicht vorstellen, gegen Xindi zu kämpfen. Wenige Minuten später dockt Degras Schiff ab. Der Konstrukteur möchte eine Zusage, dass seine Crew nicht bestraft wird, doch der Reptilien-Vertreter überlässt diese Entscheidung dem Rat und befiehlt Degra, anzudocken. Als Degras Schiff den Reptilien-Kreuzer erreicht, lässt der Primat das Feuer eröffnen. Mit Unterstützung der Enterprise wird das Reptilien-Schiff kampfunfähig geschossen. Unerwartet lässt Degra nocheinmal das Feuer eröffnen und zerstört, zum Entsetzen der Menschen, den Reptilien-Kreuzer. Anschließend meldet sich der Konstrukteur bei Archer und erklärt, die Reptilien hätten ihre Allianz entlarven können. Er hat daher keinen anderen Ausweg gesehen, als sie zum Schweigen zu bringen.

T'Pol findet Trip alleine mit einer Reparatur beschäftigt. Sie bringt ihm Ersatzteile, welche sie von den Xindi erhalten haben. Trip ist davon nicht begeistert. Die Xindi haben den Schaden angerichtet und mehrere Besatzungsmitglieder getötet. Er will ihre Ersatzteile daher nicht und gibt dem Kontainer einen kräftigen Tritt. Dann beginnt er T'Pol sein Herz auszuschütten. Immer wenn er beginnt, den Brief an Crewman Taylors Eltern zu schreiben, wird ihm klar, dass er nicht an sie denkt, sondern an seine Schwester Elizabeth. Seit ihrem Tod hat Trip versucht, sie als ein Opfer unter vielen zu sehen. Doch nun erkennt er, dass ihm seine Schwester mehr bedeutet. Trip bricht in Tränen aus. Als er erwähnt, er beneide die Vulkanier, erklärt ihm T'Pol, dass ihr Volk durchaus Trauer über den Tod anderer empfindet, diesem Gefühl allerdings nicht nachgeben kann. Es würde sie überwältigen.

Im Bereitschaftsraum meint Degra, Archer müsse vor dem Rat der Xindi sprechen und seine Beweise darlegen. Der Captain bezweifelt, dass er die Reptilien überzeugen kann. Degra erklärt, sie müssten für eine Mehrheit nur die Aquatiker für sich gewinnen. Er gibt Archer die Koordinaten der Ratskammer und erzählt ihm von einem Subraumkorridor in einem Nebel nahe ihrer Postition. Mit dessen Hilfe kann die NX-01 die Strecke in kürzester Zeit zurücklegen. Allerdings warnt er Archer vor außerirdischen Räubern, Degra wird in drei Tagen am Ausgang des Korridors warten und verspricht, alles zu tun, um den Planetenkiller lange genug aufzuhalten. Die beiden Männer verabschieden sich mit einem freundschaftlichen Händedruck. Dann trennen sich ihre Wege.

In seinem Quartier beginnt Trip nocheinmal mit dem Brief an Familie Taylor. Dieses Mal formuliert er ihn aber nicht als Nachricht über den Tod ihrer Tochter, sondern als persönliche Beileidsbekundung. Er erzählt, wie er sich schwer tat, den Brief zu schreiben, weil er nicht akzeptieren wollte, dass eine junge und talentierte Frau einfach so weg sein soll. Nun hat er sich damit abgefunden, wodurch ihm die Erinnerung an Taylor viel leichter fällt. Er verspricht, sie nicht zu vergessen. Anschließend nimmt Trip ein Bild seiner Schwester und verabschiedet sich auch endlich von ihr.

Analyse

Nach all den schweren Kämpfen in den letzten Folgen wird es diese Woche mit "Die Vergessenen" (Org. "The Forgotten") etwas ruhiger. Die Crew der Enterprise macht bei ihrer Suche nach der Xindi-Waffe zwar wieder einen recht großen Schritt nach vorne, das Hauptaugenmerk liegt aber klar auf den Charakteren und ihrer Weiterentwicklung.

Im Laufe der Folge werden einige Handlungsfäden aufgenommen und weitergeführt, zum Teil auch nur kurz. So kommt am Anfang natürlich auch T'Pols Trellium-Sucht aus der letzten Folge "Beschädigungen" (Org. "Damage") wieder zur Sprache. Es hat mich allerdings etwas irritiert, dass die Vulkanierin die schlimmsten Entzugserscheinungen schon hinter sich haben soll. Erinnern wir uns mal kurz zurück: Laut "Beschädigungen" (Org. "Damage") brauchte die Enterprise etwa zwei Tage, um zum Treffpunkt zu gelangen. T'Pol beichtete ihre Sucht nur einige Stunden vor dem Abflug. Als sie sich nun in "Die Vergessenen" (Org. "The Forgotten") von Phlox untersuchen lässt, ist die Enterprise noch nicht ganz an ihrem Ziel angelangt. Folglich sind allerhöchstens zwei Tage vergangen, seit die Vulkanierin in Behandlung ist. Ich hätte mir hier doch etwas mehr Logik im Details gewünscht und vor allem, dass man von der Entzugsphase vielleicht auch noch etwas sieht. Ansonsten bleibt T'Pol im Laufe der Folge größtenteils im Hintergrund. Stattdessen rückt Trip ins Rampenlicht. Nach langer Zeit beschäftigen sich die Autoren mal wieder mit dem Tod seiner Schwester. Musste dieser bisher – vor allem in den ersten Folgen der Staffel – hauptsächlich als Begründung für die eher zweifelhaften Massageszenen von Trip und T'Pol herhalten, wird er jetzt endlich auf eine Art und Weise eingebaut, die anspruchsvollem Fernsehen und vor allem Star Trek deutlich angemessener ist: Trip stellt sich endlich der Realität und akzeptiert, dass seine Schwester nie mehr zurückkehren wird. Bis es so weit ist, dauert es aber bis zum Schluss. Zuvor sehen wir wieder den Trip, der uns zuerst in "Die Ausdehnung" (Org. "The Expanse") begegnet war. Er stürzt sich vollkommen in seine Arbeit und nimmt sich nicht einmal Zeit zum Schlafen. Gegenüber Degra ist er misstrauisch und offen feindselig, dessen Hilfsangebot würde er am liebsten ausschlagen. Bei ihren kurzen Begegnungen nimmt er kein Blatt vor den Mund und macht dem Waffenkonstrukteur schwere Vorwürfe. Erst als Archer dazwischen geht, nimmt sich Trip zusammen. Wie schon in "Die Ausdehnung" (Org. "The Expanse") versucht Tucker die Toten lieber zu vergessen, als sich an sie und damit an den Verlust zu erinnern. Schließlich kann er sich aber nicht mehr entziehen und muss den Tatsachen ins Auge sehen. Diese Entwicklung ist von Connor Trinneer wirklich gut dargestellt und er kann einmal mehr zeigen, was er als Schauspieler auf dem Kasten hat.

Neben Trip steht natürlich auch Archer wieder im Mittelpunkt, allerdings etwas weniger als letztes Mal. Heute liegt er Schwerpunkt stärker auf seiner Beziehung zu Degra. Der Captain der NX-01 muss nun seine Behauptungen begründen, was ihn beim Faultier-Vertreter so manche Überzeugungsarbeit kostet. Es ist sehr positiv, dass neben dem gutgläubigen Degra, der wahrscheinlich auch ohne Beweise lieber Archers Geschichte glauben und den Planetenkiller verschrotten würde, noch ein deutlich kritischerer und skeptischerer Xindi überzeugt werden muss, der zunächst einmal alles in Frage stellt. Degra selbst merkt an, die Menschen hätten ein Talent für Täuschungen. Daher müsste er eigentlich zunächst davon ausgehen, dass Archer lügt, bis er selbst die Beweise auf ihre Stichhaltigkeit geprüft hat. Trotz allem besteht Archer die Prüfung und nun kann er sich auch vor den Xindi-Rat wagen. Nachdem Archer Degra überzeugt hat, wird ihre Allianz aber noch auf eine Probe gestellt, als ein Reptilien-Kreuzer eintrifft. Nach einem gemeinsamen Kampf beschließt Degra sogar, diesen zu zerstören. Die Wandlung ist sehr deutlich, da er zuerst sehr entsetzt auf die Vorstellung reagiert, andere Xindi anzugreifen, und nur eine Minute später zu sehen ist, wie er den Reptilien den Todesstoß versetzt. Wie Archer in der letzten Folge musste nun auch Degra eine Grenze überschreiten, um sein Ziel zu erreichen, was die beiden Charaktere irgendwie verbindet. Immerhin hat der Xindi nun den Beweiß erbracht, dass man ihm trauen kann. Am Ende kann man die Beziehung zwischen Archer und Degra eigentlich schon als Freundschaft bezeichnen.

Auch wenn die Charaktere viel Platz in der heutigen Episode einnehmen, bleibt die Action nicht ganz auf der Strecke. Zum einen gibt es da, wie schon erwähnt, den Kampf mit dem Reptilien-Kreuzer, zum anderen wird uns noch ein Plasmafeuer geboten. Fragt sich nur, wie sinnvoll dieses eigentlich war. Sicher, es unterstützt die Atmosphäre auf der halb zerstörten NX-01 und zeigt, dass diese in einem schlechten Zustand ist. Allerdings nimmt die Szene dafür recht viel Platz ein und wirkt ein wenig fehl am Platze. Hier mussten wohl einfach noch etwas Action und – gewohnt gute – Spezialeffekte ins Drehbuch gezwängt werden. Vielleicht spielt ja auch Malcolms Verletzung in den kommenden Folgen noch eine Rolle.

Positiv:

  • gute Charakterfolge
  • Trip – Entwicklung und Darstellung
  • mehrer Handlungsfäden werden weitergesponnen

Negativ:

  • das Plasmafeuer wirkt etwas fehl am Platze
  • T'Pols Entzugsphase ist zu schnell vorbei

Wertung

Offenbar liegt es den Autoren, Charakter-Drama mit Tucker im Mittelpunkt zu schreiben, denn am Niveau gemessen erinnert die Folge auf gewisse Weise an "Cogenitor" (Org. "Cogenitor") aus der zweiten Staffel. Allerdings fehlt "Die Vergessenen" (Org. "The Forgotten"), wie auch einst "Cogenitor" (Org. "Cogenitor"), der letzte Schliff, der das ganze zum Highlight macht. Immerhin reicht es für gute sieben von zehn Punkten. Die NX-01 sieht schon wieder etwas besser aus und fliegt nun immer mehr dem Finale entgegen. Zuvor sind aber noch einige offene Handlungsfäden zu Ende zu bringen. Mal sehen, wie es nächstes Mal mit "E²" (Org. "E²") weitergeht…

Review von Bernd Paulus

Dir gefällt dieser Beitrag? Dann teile ihn doch mit deinen Freunden